Chronik vom Bau des Eselsburgturmes 1925

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Originalgetreue Wiedergabe aus der Festschrift von 1985
anlässlich des 60-jährigen Turmjubiläums.

Der Bericht über den Bau des Eselsburgturms, erstellt vom Schultheiß und damaligem Vertrauensmann der OG Ensingen
Alfons Pfitzer. (von 1920 bis 1929)

Unser Turm.
Auf dem südlichsten Ausläufer des Strombergs stand auf dessen Ostspitze die frühere Eselsburg. Schon vorher hatten die Alemannen ihre Kultstätten hier. Auch heute noch, nachdem alle diese Stätten verschwunden sind, ist dieser Berg alljährlich das Ziel oder der Durchgangspunkt vieler Wanderer. Und in der Tat ist es ein herrlicher Fleck in unserer engeren Heimat, zumal er von allen Seiten leicht erreichbar ist, insbesondere nachdem Ensingen einen Eisenbahnhaltepunkt hat, an dem mit Ausnahme eines, alle Personenzüge halten. Was gibt es schöneres als entweder vom Reichsbahnhof Vaihingen, oder vom Haltepunkt Ensingen aus über die Eselsburg, entweder durch den Wald auf freier luftiger Höhe nach Maulbronn, oder über Gündelbach bezw. Horrheim durch den Stromberg ins Zabergäu zu wandern.
Nun hat schon im Jahr 1900 eine Anzahl Männer von Ensingen und Horrheim Beiträge gesammelt, um auf diesem hervorragendem Punkt, der einen weiten Blick ins schöne Unterland gewährt, einen Aussichtturm zu erbauen. Es wurden einige Feste abgehalten, deren Ertrag ebenfalls dem Turm zugute kommen sollte. Die Ausführung scheiterte aber an dem Widerstand der Forstverwaltung. Es wurde von Ihr aber gestattet auf dem Gelände der Eselsburg eine Schutzhütte zu errichten und daneben eine Aussichtsplatte auf einer alten Eiche. Diese beiden feiern daher heuer ihr 25-jähriges Jubiläum. Die Einweihung fand am 24. Juni 1900 statt.
Die Frage der Erbauung eines Aussichtsturmes wurde zwar im Jahre 1909 wiederholt aufgegriffen, ruhte dann aber hauptsächlich wegen des Krieges bis zum letzten Jahr. Es wurde wiederholt, hauptsächlich von Fremden der Wunsch ausgesprochen, daß die durch den Wald verdeckte Aussicht verbessert werden sollte. Nach längeren Versuchen reifte innerhalb der OG Ensingen der Plan einen Aussichtturm zu errichten, mit der Hoffnung seitens des Hauptvereins Unterstützung zu finden. Gleichzeitig wurde bekannt,daß von der Staatsforstverwaltung günstig Holz zu erlangen sei. Es wurde daher der Baumeister August Reidenbach aus Ensingen mit der Fertigung eines vorläufigen Bauplanes und eines Kostenvoranschlages beauftragt. Der letztere sah einen Kostenaufwand von 3500 Mark vor. Bei der weiteren Ausarbeitung wurden dann verschiedene Änderungen vorgenommen. Der von der OG entgültig am 27.Dez.1924 genehmigte Plan erforderte dann einen Aufwand von 5000 Mark. Es wurden sofort die erforderlichen Schritte unternommen zur Einholung der Genehmigung des Bauwesens, zuerst seitens der Staatsforstverwaltung, in deren Eigentum der Grund und Boden steht, besonders aber des Schw. Albvereins, dessen Ausschuß Ende Januar 1925 in Plochingen den Entschluß fasste, das Gesuch zurückzustellen, bis das öffentliche interesse nachgewießen ist. Auch das Landesamt für Denkmalpflege wurde gutachtlich gehört. Dasselbe schlug einige Verbesserungen vor. Auf den Ausschußbeschluß des Schw. Albvereins hin, faßte die OG mit Zustimmung des Strombergverbandes, welcher in seiner Generalversammlung am 1. März 1925 in Bietigheim dem Bau zustimmte, aber noch verschiedene Änderungen verlangte, worauf sich die Voranschlagsumme auf 7500 Mark erhöhte. Es wurde daher der Entschluss gefaßt, zur Deckung der Kosten, Bausteine zu 1 Mark und Gutscheine zu 5 Mark, welche als Rückzahlbar gedacht waren, auszugeben. Außerdem hoffte man noch auf sonstige freiwillige Beiträge. Man erhoffte so, etwa die Hälfte der Kosten zusammenzubringen. Die andere Hälfte wurde wurde vom Schw.Albverein in Stuttgart erbeten. Der Ausschuß des Albvereins, der in Göppingen am 23. Mai 1925 tagte, beschloß, die Summe von 3500 Mark zuzuschießen, was die Hauptversammlung in Schlat am 25. Mai 1925 auch genehmigte. Die Bedingung dazu aber war, daß der Turm in das Eigentum des Schw. Albvereins überzugehen habe.

Am 17. Februar 1925 erstellten Mitglieder der OG ein vorläufiges Gerüst aus starken Stangen mit 12 Meter Höhe. Die Aussicht von dießem Gerüst war überraschend gut.
Um die Baumaterialien besser herbeischaffen zu können, wurde über den Burggraben eine Brücke aus Stämmen hergestellt. Zwecks Erlangung von Wasser wurde die Burgbrunnenquelle gefaßt. Nun gings eifrig an den Bau, damit zu Beginn der Hauptwanderzeit der Aussichtsturm dem Betrieb übergeben werden könnte.
Am 27. Februar 1925 wurde mit den Grabarbeiten begonnen. Sie konnten aber einige Tage nicht fortgeführt werden, da man hiebei auf alte Burgreste stieß. Der schleunigst herbeigerufene Burgenforscher K.U.Koch von Söflingen nahm dann nach verschiedenen Grabungen den Grundriß der Burg auf. Heute liegt seine Arbeit vor, eine schöne Ansicht der Burg mit Grundriß.
Inzwischen wurden an anderer Stelle erneut die Grabarbeiten angefangen. In der Nähe befand sich ein Sandsteinbruch, der hervorragende Steine lieferte. Schon am 8. April konnte der gewölbte Turmkeller fertiggestellt werden, während am 18. April bereits die Grundsteinlegung stattfand. So gedieh das Bauwesen und am 12. Mai waren die Maurerarbeiten bereits vollendet.
Nun begann das Aufschlagen des Turmes durch den Zimmerer August Bahnmayer aus Ensingen, nachdem das Bauholz mit so mancher Fuhre angekarrt wurde. Schon nach 3 Tagen konnte das Richfest gefeiert werden.
In einem starken Viertel Jahr wurde die Arbeit geleistet, trotz Witterung- und anderer Hemmnisse.
Die gesamte Höhe des Turms, vom Erdboden bis zur Turmspitze beträgt
18,20 m, bis zum Ausblick 14,50 m. Er enthält einem gewölbten Keller mit
2,30 m Höhe und einer Fläche von 13,80 qm. Der Turm hat außerdem
5 Stockwerke mit verschiedenen Höhen.
Das unterste Stockwerk mit 5,80 x 5,80 m Außenmaß hat massive Steinwände und ist über eine eine 3-stufige Treppe erreichbar. Es ist unterteilt, je zur Hälfte, in einen Gastraum und in einen Verkaufsraum für den Turmpächter. Ein Stockwerk ist der OG Ensingen vorbehalten, in den anderen Etagen kann eventuell eine Jugendherberge eingerichtet werden.
Die Plattform des Turmes mißt innen 4,20 x 4,20 m und hat eine lichte Höhe von 2,30 m.
Das Dach selbst hat eine Höhe von 1,50 m. Es ist doppelt mit gebräunten „Biberschwänzen“ gedeckt. Auch ein Blitzableiter wurde montiert. Der Turm ist außen mit übereinander verlappten Brettern verschalt und mehrmals mit Carbolineum gestrichen.
Das Werk steht nun am 14. Juni 1925 vollendet vor uns, mit Dank an die vielen Mitwirkende.

Das Werk hätte aber nicht so vollführt werden können, wenn es nicht von allen Seiten eine solche Förderung erfahren hätte.
Hier ist in erster Linie Baumeister August Reidenbach zu erwähnen, der in unermüdlicher Arbeit den Bau zur Ausführung gebracht hat. Ihm zur Seite standen seine tüchtigen Handwerker, insbesondere Maurer,Steinhauer, Zimmerleute der Firma A. Bahnmayer, Fuhrleute, die mit Ihren Zugtieren einen mühsamen Weg zur Burg hatten.
Ein Dank geht auch an die Helfer aus der Ortsgruppe Ensingen und an die vielen anderen Helfern aus den umliegenden Orten.
Ganz besonders erfuhr das Werk Förderung und Unterstützung durch den Vorsitzenden des Strombergverbandes Herr Oberrechnungsrat Rothmaier und dessen Familie. Der Unterstützung durch die Staatsforstverwaltung, vertreten durch Forstmeister Heller und Forstamtmann Ortlieb, Bietigheim muß ebenfalls dankend gedacht werden.
Von vielen Seiten sind uns reiche Beiträge zugeflossen. Von den vielen wären zu erwähnen : Die Beiträge der Amtskörperschaften Vaihingen und Besigheim, den Städten Vaihingen und Bietigheim, den Gemeinden Ensingen und Horrheim; außerdem von vielen Einzelpersonen , die wir nicht alle aufführen können, denen aber allen unser herzlicher Dank sicher ist.
In besonderer Weiße ist zu danken, dem Strombergverband bezw. den 31 Ortsgruppen, die durch den Kauf symbolischer Bausteine in so freigibiger Form an der Finanzierung des Werkes beteiligt sind.
Abschließender Wunsch:
Mögen alle bei Ihrem Besuch des Turmes jedesmal eine Freude an Ihm empfangen und von Ihm hinausschauen auf unser gesegnetes Land, auf Wald und Flur, auf Städte und Dörfer und von Ihren Wanderungen mit Befriedigung an Ihre Arbeit zurückkehren.
Der Vertrauensmann der Ortsgruppe Ensingen:
Schultheiß Alfons Pfitzer, am 14.6.1925

Mit diesem Wunsch von Alfons Pfitzer ist der Bericht zur Burg abgeschlossen.